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Dipl.-Ing. Christian Holler
Ingenieurbüro für Kulturtechnik und Wasserwirtschaft
Planung * Beratung * Forschung

Flusskrebsschutz im Burgenland

Noch vor wenigen Jahrzehnten waren Flusskrebse in unseren Bächen und Flüssen verbreitet. Für viele, die als Kinder in der Nähe eines Baches aufwuchsen, war die Suche nach Flusskrebsen ein prägender Bestandteil des frühen Naturerlebens. Auch die fischereiliche und gastronomische Nutzung der wohlschmeckenden Tiere war verbreitet und in manchen Gegenden auch ein einträgliches Geschäft. Heute hat sich das Bild völlig gewandelt, die Flusskrebse sind zur Rarität geworden. In Österreich, wie in ganz Mitteleuropa, sind die heimischen Krebsarten in ihrem Bestand stark gefährdet. Aber es gibt sie noch - vereinzelt, verborgen, in naturbelassenen Rückzugsbereichen.

Erhebung für Naturschutz und Wasserwirtschaft

Seit dem Jahr 2003 gibt es im Burgenland intensive Bemühungen zur Erforschung und zum Schutz der heimischen Flusskrebse. Im Auftrag der Abteilungen Natur- und Umweltschutz sowie Wasser- und Abfallwirtschaft des Landes Burgenland wurde 2003 bis 2006 eine Erhebung der Flusskrebsbestände in den burgenländischen Fließgewässern durchgeführt. Damit liegt ein flächendeckender Überblick über die aktuelle Situation der Flusskrebse im gesamten Burgenland vor.

Auf Grund ihrer Indikatorfunktion für intakte Fließgewässer einerseits und der akuten Bedrohung andererseits, sind die Flusskrebse von hohem Interesse sowohl für die Wasserwirtschaft als auch für den Naturschutz. Der gemeinsame Einsatz für den Flusskrebs wird damit zum Musterprojekt für die Zusammenarbeit von Naturschutz und Wasserwirtschaft.

Artenschutzprojekt des ÖNB-Burgenland

Aufbauend auf der Bestandsaufnahme wurde im Auftrag des Österreichischen Naturschutzbundes - Landesgruppe Burgenland, ein Artenschutzkonzept für die Flusskrebse erarbeitet. Dies erfolgte im Rahmen der "Sonstigen Maßnahmen des Österreichischen Programms für die Entwicklung des Ländlichen Raumes" (gefördert durch das Land Burgenland, Bund und EU). Im Artenschutzkonzept werden die erforderlichen Maßnahmen zum Schutz und zur Wiederansiedelung der heimischen Flusskrebse im Burgenland gegliedert nach Regionen dargestellt. In weiterer Folge werden die Schutzmaßnahmen umgesetzt und die Wiederansiedelung vorangetrieben.

Heimische Arten und Gefährdung

Hauptursachen für den Rückgang der Flusskrebse sind:

  • Die Verbreitung der Krebspest - einer aus Amerika eingeschleppten Pilzkrankheit die für die heimischen Arten tödlich ist. Sie kann über Besatzmaßnahmen mit Krebsen und Fischen aber auch mit Fischereigerät wie Stiefeln, Reusen, usw. verschleppt werden.
  • Der Besatz mit amerikanischen Krebsarten die einerseits die Krebspest verbreiten und andererseits die heimischen Arten aus ihren Lebensräumen verdrängen.
  • Die nachteilige Veränderung der Gewässerlebensräume, vor allem in struktureller Hinsicht (Verbauung, Kanalisierung, Verlust an natürlichen Strukturen).

Heimisch sind im Burgenland der Edelkrebs, in den höheren Lagen der Steinkrebs, und im Bereich des Neusiedlersees auch der Europäische Sumpfkrebs.

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Der Edelkrebs (Astacus astacus): größte heimische Art; bevorzugt naturbelassene Bäche, Flüsse, Seen und Teiche der Niederungen; wichtig ist der Strukturreichtum des Gewässers; bevorzugt werden steile Uferbereiche mit Wurzelbärten, Lücken zwischen Steinen; baut Höhlen in lehmigen Untergrund; war früher im gesamten Burgenland verbreitet; heute Restvorkommen im Bgld. in Oberläufen der Bäche und in Teichen.

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Der Europäische Sumpfkrebs (Astacus leptodactylus): Ostmitteleuropäische Art die im Nordburgenland ihre westlichste natürliche Verbreitung hat; anspruchsloseste heimische Art, kommt auch mit wärmeren und schlammigen Gewässern zurecht; kam früher im Neusiedler See vor, heute im Bgld. auf wenige Einzelvorkommen beschränkt die auf Besatz zurückgehen.

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Der Steinkrebs (Austropotamobius torrentium): kleinere heimische Art die bevorzugt in den naturbelassenen kälteren Bächen der mittleren und höheren Lagen vorkommt; sucht seine Verstecke unter Steinen im Bachbett; empfindlicher gegenüber organischer Belastung als der Edelkrebs; häufigste Art in Österreich, kam früher auch im Burgenländischen Bergland vor; heute im Bgld. auf einzelne Restvorkommen beschränkt.

Als eingeschleppter Exot verbreitet sich zunehmend der Signalkrebs. Er wurde in den 1960-er Jahren von Amerika nach Europa eingeführt, in dem Irrglauben er sei gegen die Krebspest resistent. Tatsächlich erkrankt auch er an der Krebspest, kann aber die Infektion unter Umständen längere Zeit mit sich tragen und verschleppt so den Erreger in gesunde Bestände. Weiters ist der Signalkrebs auch konkurrenzstärker als der heimische Edelkrebs und verdrängt diesen aus seinen Lebensräumen. Leider ist der Signalkrebs nicht die einzige eingeschleppte Arte: immer wieder gelangen exotische Krebse aus dem Zoohandel, aus Aquarien und aus Zuchten in die Gewässer und können hier verheerende Wirkungen haben. So breitet sich in Österreich bereits eine weitere amerikanische Art aus, der Kamberkrebs. Eine "Bekämpfung" der exotischen Arten ist praktisch nicht möglich. Der Signalkrebs ist mittlerweile im Burgenland in Fließgewässern und Teichen weit verbreitet.

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Der Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus): Eingeschleppte amerikanische Arte; potentieller Infektionsträger der Krebspest! Er hat ähnliche Ansprüche an das Wohngewässer wie der heimische Edelkrebs, ist aber etwas widerstandsfähiger, vermehrt sich stärker und zeigt ein ausgeprägtes Wanderverhalten; damit kann er den heimischen Edelkrebs auch verdrängen wenn es zu keinem Ausbruch der Krebspest kommt. Kennzeichen: weiß-blauer Signalfleck am Scherengelenk. Der Signlakrebs ist heute in vielen Gewässern im gesamte Burgenland zu finden. Seine weitere Ausbreitung muß zum Schutz der heimischen Krebse verhindert werden.

Ziele des Flusskrebsschutzes

Mit den laufenden Projekten soll die Basis für die Erhaltung der noch bestehenden Flusskrebsvorkommen bzw. für die Wiederansiedelung heimischer Krebsarten im Burgenland geschaffen werden. Um die verbliebenen Krebsvorkommen schützen zu können, ist deren Erkundung unbedingte Voraussetzung. Auch Wiederansiedelungsprojekte und Besatzmaßnahmen sind nur sinnvoll, wenn zuerst überprüft wurde ob noch heimische Flusskrebse vorkommen oder ob vielleicht schon exotische Krebsarten in das Gewässer eingeschleppt wurden.

Das Hauptaugenmerk beim Flusskrebsschutz liegt bei der Erhaltung der letzten verbliebenen Vorkommen der heimischen Arten in den Oberläufen der Gewässer sowie bei der Wiederansiedelung heimischer Krebse in geeigneten krebsfreien Gewässern. Hierbei kommt beim Edelkrebs und auch beim Europäischen Sumpfkrebs der Etablierung von Populationen in Teichanlagen - als geschützte Genpools - eine große Bedeutung zu. Eine Wiederansiedelung des Steinkrebses kommt im Burgenland nur in ausgewählten Oberläufen der Fließgewässer im Bergland in Frage. Der Verhinderung der weiteren Ausbreitung des Signalkrebses zum Schutz der heimischen Flusskrebse hat hohe Priorität. Hierunter fallen die Bekämpfung des Signalkrebses durch Befischung, die Verhinderung der aktiven Verbreitung durch den Menschen, sowie die Einschränkung der selbsttätigen Ausbreitung.

Zusammenarbeit mit Fischerei

Eine wichtige Rolle bei der Erhaltung der Flusskrebse kommt der Fischerei zu. Die Krebse unterliegen dem Fischreirecht, sie sind grundsätzlich befischbar und auch ein begehrter Leckerbissen. Nun können die Fischer durch gezielte Besatzmaßnahmen einen ganz entscheidenden Beitrag zur Erhaltung der heimischen Flusskrebse leisten. Wobei Besatzmaßnahmen gut geplant sein müssen und mit Bedacht durchzuführen sind. Vor allem das unüberlegte Aussetzen exotischer Arten kann zu einer Vernichtung der letzten heimischen Bestände führen. Gelungene Besatzmaßnahmen oder Hegemaßnahmen für die heimischen Flusskrebse bringen einen Mehrfachnutzen: Einen Beitrag zum Artenschutz; einen Nutzen für die Gewässerökologie insgesamt aber auch für einen gesunden Fischbestand - hat doch der Krebs ein wichtige Funktion als "Gesundheitspolizei"; Und nicht zuletzt kann der Krebs dann auch wieder zum "Petri Heil" werden - schließlich wurden Flusskrebse seit Jahrhunderten auch genutzt, und bei gesunden produktiven Beständen spricht aus ökologischer Sicht nichts gegen eine vernünftige Nutzung. Aber solche Bestände müssen wir erst wieder entsprechend fördern.

Insofern bedarf es als dritten im Bunde bei der Erhaltung der Flusskrebse, neben dem Naturschutz und der Wasserwirtschaft, die Fischerei!

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Wiederansiedelung von Flusskrebsen mit den SchülerInnen der Öko-Hauptschule-Stegersbach

So können Sie zum Flusskrebsschutz beitragen

Die flächendeckende Erhebung so scheuer Tiere wie es die Flusskrebse sind, ist eine sehr schwierige Aufgabe. Besonders wertvoll sind daher Hinweise von Personen die in der Vergangenheit Flusskrebse beobachtet haben. Wenn Sie von einem Vorkommen von Flusskrebsen in Flüssen, Bächen oder Teichen im Burgenland wissen, so setzen Sie sich bitte mit uns in Verbindung. Wir verfolgen gerne jeden Hinweis und werden auch gerne vor Ort überprüfen ob heute noch Krebse vorkommen und um welche Arten es sich handelt. Auch wenn Sie einen Besatz mit Flusskrebsen durchgeführt haben oder einen Besatz planen, ersuchen wir Sie mit uns Kontakt aufzunehmen (An Interessierte werden im Rahmen des Projektes kostenlos das Natur & Land Sonderheft "Scherenritter" des ÖNB sowie der farbige Bestimmungsschlüssel "Flusskrebse in Österreich" abgegeben).

Flusskrebs-Kontaktpersonen:

DI Christian Holler, Tel. 03322/43260, e-mail:

Gerhard Woschitz, Tel. 0664/1204461, e-mail: