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Dipl.-Ing. Christian Holler
Ingenieurbüro für
Kulturtechnik und Wasserwirtschaft,
Natur- und Landschaftsschutz

Sortengarten Burgenland: Regionale Obstsortengenbank in Neuhaus/Klb.

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Das Projekt

Im Burgenland wurde im Rahmen der "Sonstigen Maßnahmen der ländlichen Entwicklung" eine regionale Obstsortengenbank für das Burgenland aufgebaut. Projektträger ist der Österreichische Naturschutzbund Landesgruppe Burgenland (ÖNB-Burgenland) in Zusammenarbeit mit der Mostidylle Südburgenland und dem Obstbauverein Neuhaus am Klausenbach. Der Hauptstandort des Sortengartens ist am Obstparadies-Hof der Familie Lendl in Neuhaus am Klausenbach, der südlichsten Gemeinde des Burgenlandes (Dreiländereck Österreich - Ungarn - Slowenien). Aus Gründen der Erhaltungssicherheit besteht die Genbank aus mehreren "Teil-Sortengärten", verteilt über die Gemeinde. Durch den Naturschutzbund in Kooperation mit Obstparadies, Mostidylle und Obstbauverein, ist die langfristig Erhaltung der Genbank sowie der öffentliche Nutzen und die Zugänglichkeit der gesammelten Sorten gewährleistet.

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Der Sortengarten im Obstparadies

Die Sortensammlung für den Sortengarten erfolgt im gesamten Burgenland und umfasst Kern- und Steinobst. Der Schwerpunkt liegt bei burgenländischen Regionalsorten und allgemein seltenen Sorten. Bisher wurden im Rahmen des Projektes ca. 400 Mutterbäume von ca. 240 Obstsorten in den Streuobstgärten des Burgenlandes aufgenommen. Diese Mutterbäume wurden mittels GPS erfasst und in das Orthofoto des digitalen Katasters im GIS übertragen. Von diesen Bäumen wurden Fruchtmuster genommen und die Sorten im Detail beschrieben Die Beschreibung umfasst eine Aufnahme der wesentlichen Fruchtmerkmale und die Anfertigung von Fotos davon.

Für den Sortengarten konnten 265 Obstsorten gesichert werden: Von 2005 bis 2007 wurden Reiser von insgesamt 171 seltenen Sorten im gesamten Burgenland geschnitten, Jungbäume veredelt und in der Baumschule aufgeschult. Die Bäume werden als 1 1/2-jährige Veredelungen im Sortengarten ausgepflanzt. Weiters wurden zur Sortensicherung aus dem Sortensicherungsprogramm der Arche Noah 13 Steinobstsorten zugekauft die für das burgenländische Altsortiment relevant sind. Bei 81 gängigen Sorten die nicht akut gefährdet sind, wurden Bäume von lokalen Baumschulen die selbst eine Vermehrung betreiben angekauft - diese Bäume werden in der Folge auf Sortenrichtigkeit verifiziert.

Die Standorte der Bäume wurden aus Sicherheitsgründen (z.B. Feuerbrandgefahr) auf mehrere Gärten verteilt. Im zentralen Sortengarten am Obstparadies-Hof der Fam. Lendl, wird von jeder Sorte zumindest ein Baum gepflanzt. Auf diesen zentralen Standort in Neuhaus/Klb. konzentriert sich auch die öffentliche Präsentation des Sortengartens.

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Der Sortengarten umfasst 155 Apfelsorten, 34 Tafelbirnen, 18 Mostbirnen, 34 Kirschsorten, 10 Marillen und 14 Pflaumen und Zwetschken. Unter Berücksichtigung der Duplikatpflanzungen (3 Bäume je Sorte), sind damit insgesamt ca. 800 Jungbäume verteilt auf die Standorte in Neuhaus/Klb. untergebracht. Mit diesem Umfang gehört die Sortensammlung des ÖNB-Burgenland, die im Rahmen der sonstigen Maßnahmen der Entwicklung des ländlichen Raumes aufgebaut wurde, zu den größten Sortenerhaltungsgärten in Österreich. Der Sortengarten in Neuhaus/Klb. ist damit nicht nur von burgenländischer sondern auch von nationaler Bedeutung.

Am Obstparadies-Hof wird ein unfangreiches Programm für BesucherInnen rund um den Sortengarten und den Streuobstbau angeboten, auch ein spezielles Programm für Kinder, in der Mostothek werden Qualitätsmoste präsentiert. Details dazu finden Sie unter www.obstparadies.at

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Entstehung der Kulturpflanzenvielfalt und Gefährdung

Über den Verlauf von Jahrtausenden hat der Mensch aus den in der Natur vorkommenden Tier- und Pflanzenarten jene Rassen und Sorten selektiert, die seinen Nutzungsinteressen am besten entsprachen. Zunächst geschickt genetische Zufälle nutzend, später mittels gezielter Züchtung. Obwohl es vor allem eine Selektion in Richtung größer, schöner, wohlschmeckender und ertragreicher war, ist dabei eine unendliche Fülle an Kulturpflanzen und Sorten entstanden. Bekanntlich sind Geschmäcker ja verschieden, und sie unterliegen auch Moden und kulturellen Einflüssen.

Den Höhepunkt erreichte die Vielfalt vor etwa 100 bis 150 Jahren, seither ist die Entwicklung gegenläufig. Die so genannte "moderne" Landwirtschaft geht Hand in Hand mit ihrem "Partner" dem Handel, und propagiert Einheitlichkeit, Uniformität - Quantitäten statt Qualitäten. Aus der regionalen Vielfalt wird zunehmend ein globaler Einheitsbrei. Und damit rücken auch alte Kulturpflanzen zunehmend in das Interesse des Naturschutzes. So beginnt man z. B. in der Schweiz bereits "Rote Listen" für Obstsorten anzulegen.

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Sortenvielfalt hat unzählige Gesichter: Birnen die aussehen wie Äpfel und Äpfel die schmecken wie Birnen, blutigrote Birnen und Nüsse

Sortenerhaltung als regionale Verantwortung

Die Erhaltung von Kulturpflanzen und Sorten ist eine regionale Verantwortung. Viele Sorten weisen nur regionale Verbreitung auf, bzw. ist ihr Wert oft im Zusammenhang mit der traditionellen regionalen Nutzung zu definieren. Dies gilt auch für das Burgenland und seine ursprüngliche Obstsortenvielfalt. Die Erhaltung der Biodiversität ist in diesem Zusammenhang nur ein Naturschutzaspekt: Hinzu kommt dass die Obstsortenvielfalt eng verbunden ist mit der Streuobstkultur, die den Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten sicherstellt.

Bisher gab es im Burgenland kein Erhaltungsprojekt für regionale Obstsorten. In einigen Teilgebieten wurden zwar Sortenerhebungen durchgeführt, jedoch ohne folgende Erhaltungsprogramme. Der Bestand an Alt- und Regionalsorten ist akut gefährdet. Einerseits auf Grund der Überalterung der Baumbestände und der Nutzungsaufgabe im Streuobstbau, aber auch auf Grund von Krankheiten wie dem Feuerbrand. Damit droht ein Verlust an genetischer Vielfalt und regionaler Identität. Bei den Sorten die in den laufenden Auspflanzaktionen verwendet werden, handelt es sich in der Regel um gängige Baumschulware, die zum überwiegenden Teil nicht aus dem Burgenland stammt, sondern euorpaweit zugekauft wird. Eine eigene Obstbaumaufzucht wird ja leider nur mehr von wenigen Baumschulen betrieben.

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Sortenvielfalt hat unzählige Gesichter: gelbe Pflaumen und Kirschen, Schafnasen und Schlotteräpfel

Aufbau und Nutzung der regionalen Obstsortengenbank

Im Rahmen des Projektes wird eine regionale Obstsortengenbank für das Burgenland aufgebaut. Die Genbank ist ein Sortengarten in dem alte Obstsorten gezielt vermehrt und erhalten werden - also ein Erhaltungsgarten. Die Sortenaufsammlung erfolgt im gesamten Burgenland, der Schwerpunkt liegt bei burgenländischen Regionalsorten und allgemein seltenen Sorten und umfasst sowohl Kernobst als auch Steinobst. Neben Aufsammlung und Gewinnung von Veredelungsmaterial erfolgt die Bestimmung und Beschreibung der Sorten.

Der Sortengarten kann künftig als Reisergarten genutzt werden, dadurch kann langfristig für viele Sorten aus der "ex-situ Erhaltung" in der Genbank wieder eine "in-situ Erhaltung" in der Region entstehen. Durch den Naturschutzbund in Kooperation mit der Mostidylle und dem Obstbauverein Neuhaus, ist die langfristig Erhaltung der Genbank sowie der öffentliche Nutzen und die Zugänglichkeit der gesammelten Sorten gewährleistet. Durch begleitende Öffentlichkeitsarbeit wird der Sortengarten, die Eigenschaften der Sorten und das Potential das mit den Sorten vorhanden ist, einem breiten Kreis näher gebracht werden.

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Projektpartner und Finanzierung

Projektleiter für die Obstsortengenbank ist DI Christian Holler, ihm obliegt auch die Sortenaufsammlung, Bestimmung und Beschreibung. Standort des Sortengartens ist Neuhaus am Klausenbach, die südlichste Gemeinde des Burgenlandes, im Dreiländereck Österreich - Ungarn - Slowenien. Aus Gründen der Erhaltungssicherheit wird die Genbank auf mehrere Standorte, also mehrere "Teil-Sortengärten", verteilt. Die Betreuung der jungen Obstbäume vor Ort obliegt Hans Josef Lendl und den Mitgliedern des Obstbauvereins Neuhaus. Projektträger ist der Österreichische Naturschutzbund Landesgruppe Burgenland in Zusammenarbeit mit dem Obstparadies, der Mostidylle Südburgenland und dem Obstbauverein Neuhaus am Klausenbach. Das Projekt wird kofinanziert vom Amt der Burgenländischen Landesregierung im Rahmen der "Sonstigen Maßnahmen des Österreichischen Programmes zur Entwicklung des ländlichen Raumes".

Links zu den Projektpartnern:

Obstparadies Neuhaus am Klausenbach www.obstparadies.at

Österreichischer Naturschutzbund Burgenland www.naturschutzbund.at/landesgruppen.html

Unterstützen Sie die Erhaltungsarbeit

Jeder Hinweis auf seltene bzw. alte Obstsorten kann ein wertvoller Beitrag zur Erhaltungsarbeit sein. Wenn Sie interessante Obstsorten kennen, wenn Sie ihre Obstsorten bestimmen lassen wollen, oder Fragen zum Streuobstbau haben, dann melden Sie sich:

DI Christian Holler, Tel. 03322/43260, e-mail:

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